Ich erinnere mich noch gut an einen Abend aus meiner Kindheit. Ich war etwas über 4 Jahre alt und meine Eltern abends unterwegs. Bevor sie losgezogen sind, haben sie mich noch ins Bett gebracht und haben das Haus dann verlassen, wenn ich eingeschlafen war. Und ja ich war ohne Babysitter zu Hause. Fragt nicht, ich hab keine Ahnung was die 2 sich dabei gedacht haben. Irgendwie haben sich meine Eltern da nicht so den Kopf gemacht. Denn wir hatten mit meiner Oma eine superduper Vereinbarung. Sie übten mit mir die Telefonnummer meiner Oma selbstständig zu wählen, damit ich wenn ich wach werde und Angst habe die Oma anrufen kann. Die Idee fanden sie wohl ziemlich pfiffig. Und ja, natürlich bin ich wach geworden habe geschaut, ob meine Eltern schon da sind, gemerkt das ich alleine war und zack ans Telefon. Meine Oma hat mir noch Jahre später immer wieder erzählt, dass ich sie um 23:28 Uhr angerufen habe. Die Gute hat nämlich bei sich zu Hause gesessen, immer auf Abruf, um sofort den Hörer abheben zu können, wenn es klingelt.

Ich habe etwas geweint und dann hat meine Oma mir gesagt ich soll mir schnell mein Kopfkissen und meine Bettdecke ans Telefon holen und es mir so gemütlich wie möglich machen. Gesagt getan. Und dann hat mir meine Oma am Telefon Geschichten erzählt, immer weiter ohne Unterbrechung, bis irgendwann nach Mitternacht meine Mutter das Telefon übernommen hat und ihr sagte, ich läge schlafend auf dem Boden. Dann ist auch sie ins Bett gegangen, meine Eltern haben mich in mein Bett zurück gebracht und das war es dann.

Ich erzähle euch diese Geschichte nicht, um zu zeigen, dass man das ruhig so machen kann. Nach dem Motto: es hat ja nicht geschadet, oder?

Doch sage ich euch da, das hat es.
Ja meine Oma hatte es damals geschafft, dass ich wieder eingeschlafen bin, obwohl ich nur ihre Stimme am Telefon hatte.
Aber, ich träume heute noch von dieser Situation. Das Gefühl wach zu werden und niemand ist da (obwohl ich ja wusste das wahrscheinlich niemand da ist, denn meine Eltern hatten mir das ja vorher gesagt). Diese Überwindung alleine und suchend durch die verlassene Wohnung zu stapfen. Die Anspannung, ob denn auch wirklich die Oma da ist, wenn ich anrufe. Hilflosigkeit, Angst und das Gefühl alleine zu sein in der Nacht, alles noch da und fest eingebrannt auf meiner Festplatte.

Für mich war somit sehr früh klar, nachts alleine sein ist kacke. Immer.
Mit 14 habe ich meinen ersten Babysitterjob angenommen. Eine Familie mit 3 kleinen Kindern, 1,5 Jahre, 3 Jahre und 5 Jahre. Wir waren von der ersten Minute an ein enges Vierergespann. Meine erste Frage an die Eltern war damals, ob es für sie ok ist, wenn ich alle 3 gleichzeitig ins Bett bringe und mich mit ihnen hinlege damit ich bei ihnen sein kann während sie schlafen. Zum Glück fanden die beiden das toll und so gab es an unseren Babysittersamstagen immer ein Matrazenlager. Es war mega entspannt. Für uns alle. Und wenn die Eltern zurückkamen, haben sie mich leise geweckt und der Papa hat mich noch nach Hause gefahren. 4 Jahre war ich bei der Familie und ich habe es so geliebt. Leider sind sie dann weit weggezogen.

Mit 19 habe ich meine erste Kinderfreizeit betreut. 2 Wochen Ferien mit 22 sechs bis achtjährigen Kindern. Ohne Eltern, dafür mit einem tollen 4er Team. Wie bekommt man nun 22 Kinder, viele davon das erste Mal ohne Eltern unterwegs, abends ins Bett? Auch hier stellte sich die Frage nicht. Jeder von uns betreute ein Zimmer. D.h., wir haben abends wenn alle bettfertig waren, mit im Zimmer gesessen. Wir haben 2 Betten zusammengeschoben (ich hatte das 6er Zimmer) haben uns alle dort eingekuschelt und ich habe vorgelesen. Meist waren die ersten Kinder nach 15 Minuten weg vom Fenster und den anderen hab ich noch die Hand gehalten, bis auch sie es geschafft hatten. Meine Teamkollegen haben es übrigens genauso gemacht.
Die Kinder wussten also spätestens nach der 2. Nacht, dass hier immer jemand für sie da ist und auf sie aufpasst wenn sie schlafen. Und das es ok ist uns zu rufen oder in unser Zimmer zukommen, falls sie nachts wach werden.

Tja und dann bin ich mit 31 das erste Mal Mama geworden. Und schon in der Schwangerschaft habe ich der Rübe im Bauch erzählt, dass er niemals alleine sein wird. Und so haben wir es dann auch gemacht. Es brauchte seine Zeit, um zu lernen wie man sich selber auf den Schlafrhythmus des Babys einstellt, aber irgendwann hatten wir den Bogen raus.

Bei mir hat ganz klar diese frühe Kindheitserfahrung mit dafür gesorgt, dass es mir so unfassbar wichtig ist, dass sich Kinder nie alleine fühlen. Für mich ist das ein Grundbedürfnis, ein Grundrecht sogar. Ich bin immer für dich da endet doch nicht abends am Bett der Kinder. Und natürlich soll das nicht heißen, dass ich als Mutter oder Vater 24 Stunden die Hand meines Kindes halte. Nein, aber wir können den Kindern doch zeigen, dass sie uns vertrauen können. Das wir da sind, wenn sie uns brauchen. Wenn sie dieses Vertrauen aufgebaut haben, dann können sie auch loslassen. Dann schaffen sie es irgendwann nach dem Vorlesen und dem Gute Nacht Kuss alleine einzuschlafen. Wenn sie sicher sein können, wir kommen wenn sie doch nochmal Hilfe brauchen, ist es nicht mehr nötig uns ständig bei sich behalten zu wollen. Sich auf jemanden verlassen zu können ist ein ganz wunderbares Gefühl, wie könnte ich das meinen Kinder verwehren.

Ihr seht, es steckt so viel mehr hinter dem ganzen Thema schlafen. Da lohnt es sich durchaus, sich die ein oder anderen Gedanken zu machen. Welche Gefühle möchte man seinem Kind vermitteln?
Denn diese Emotionen bleiben für immer. Ganz tief drin.

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